Neu auftretendes Anden-Hantavirus (ANDV): Maßnahmen zur Infektionsprävention

15. Juni 2026

Anfang Mai 2026 wurden Fälle des Andes-Hantavirus (ANDV) unter Passagieren und Besatzungsmitgliedern an Bord des Kreuzfahrtschiffs M/V Hondius gemeldet. Als Reaktion darauf wurden umgehend Vorsichtsmaßnahmen ergriffen, darunter die Isolierung von Kontaktpersonen sowie die Hospitalisierung infizierter Personen, um das Risiko einer Übertragung zu begrenzen.

Hantaviren sind zoonotische Viren, die von Nagetieren übertragen werden und in der Regel mit bestimmten Wirtstierarten assoziiert sind. Die meisten Hantaviren werden nicht zwischen Menschen übertragen. Das Andes-Hantavirus stellt jedoch eine Ausnahme dar, da es der einzige bekannte Stamm ist, der von Mensch zu Mensch übertragen werden kann und schwere sowie potenziell lebensbedrohliche Erkrankungen verursachen kann.

 

GATTUNG

Das Andes-Virus ist ein behülltes Virus aus der Familie der Hantaviridae (Gattung Orthohantavirus), dessen natürliche Reservoire Wildnagetiere wie Mäuse, Ratten und Wühlmäuse sind.

ÜBERTRAGUNG

Die Übertragung erfolgt in erster Linie durch:

  • Inhalation von aerosolisierten Partikeln aus kontaminiertem Urin, Kot oder Speichel
  • Direkten Kontakt mit Nagetierausscheidungen

 

Obwohl die Mensch-zu-Mensch-Übertragung weiterhin untersucht wird, wurden begrenzte Übertragungen bei engem und längerem Kontakt beobachtet.

INKUBATIONSZEIT

Die Inkubationszeit beträgt in der Regel etwa drei Wochen und reicht von 10 Tagen bis 6 Wochen.

 

SYMPTOME

Die klinischen Manifestationen variieren je nach Hantavirus-Stamm. Eine Infektion kann zu Folgendem führen:

  • Hämorrhagisches Fieber mit renalem Syndrom (HFRS)
  • Hantavirus-Kardiopulmonales Syndrom (HCPS)

 

Bei Andenvirusinfektionen beginnen die Symptome in der Regel mit:

  • Fieber
  • Kopfschmerzen
  • Müdigkeit
  • Myalgie
  • Gastrointestinale Symptome

 

In schweren Fällen kann die Krankheit übergehen in:

  • Lungenentzündung
  • Akute Atemnot
  • Schock

 

MASSNAHMEN ZUR INFEKTIONSPRÄVENTION UND -KONTROLLE

Da der Übertragungsweg des Andes-Hantavirus weiterhin untersucht wird, ist die konsequente Umsetzung sowohl der Standard- als auch der übertragungsbasierten Vorsichtsmaßnahmen im Gesundheitswesen unerlässlich.

Zu den wichtigsten Maßnahmen gehören:

  • Strikte Händehygiene mit alkoholischem Händedesinfektionsmittel (sofern die Hände nicht sichtbar verschmutzt sind) gemäß den „5 Moments“ der WHO
  • Verwendung geeigneter persönlicher Schutzausrüstung (PSA): FFP2/FFP3-Maske, Augenschutz, flüssigkeitsabweisender langärmliger Schutzkittel und Handschuhe
  • Korrektes An- und Ablegen der Schutzausrüstung unter Einhaltung der Händehygiene vor und nach der Verwendung der PSA
  • Tägliche Reinigung und Desinfektion von Oberflächen mit gegen behüllte Viren wirksamen Produkten
  • Unterbringung von Patienten in Isolierzimmern mit Unterdruck (≥ 12 Luftwechsel pro Stunde oder mindestens 6)
  • Verwendung von dedizierten oder Einweg-Medizinprodukten
  • Handhabung klinischer Abfälle als infektiöse Abfälle der Kategorie A
  • Handhabung von Wäsche in flüssigkeitsdichten und gekennzeichneten Beuteln
  • Einschränkung oder Vermeidung von Patientenbesuchen
  • Die Isolationsdauer sollte sich nach der klinischen Besserung richten und, sofern verfügbar, durch negative PCR-Testergebnisse gestützt werden.

 

DESINFEKTIONSANFORDERUNGEN

Hantaviridae sind behüllte Viren. Gemäß der Europäischen Norm EN 14885 müssen Desinfektionsmittel eine Wirksamkeit gegen behüllte Viren nachweisen.

Relevante europäische Normen zur Unterstützung der viruziden Wirksamkeit umfassen:

  • EN 14476 (grundlegende viruzide Wirkung)
  • EN 16777 (Oberflächendesinfektion ohne mechanische Einwirkung)
  • EN 17111 (Instrumentendesinfektion)
  • EN 17272 (Luftdesinfektion)

 

Einige nationale Fachgremien können Empfehlungen mit spezifischen Anforderungen hinsichtlich Vorsichtsmaßnahmen oder der Wirksamkeit von Desinfektionsmitteln veröffentlichen, die lokal umzusetzen sind.

 

Referenzen:

  • ECDC – Hantavirus-Infektion – Hantavirus-Infektion; Schnelle wissenschaftliche Beratung zu Maßnahmen der Infektionsprävention und -kontrolle für Patienten in
  • Einrichtungen des Gesundheitswesens mit Andenvirus-Krankheit (ANDV)
  • WHO – Hantavirus
  • Ministère de la santé - https://solidarites-sante.gouv.fr/
  • CDC – Über das Hantavirus | Hantavirus | CDC;
  • CDC - Fakten über Hantaviren. [https://stacks.cdc.gov/view/cdc/11878/cdc_11878_DS1.pdf]
  • Institut Pasteur – Informationen und Empfehlungen zu Hantaviren – Institut Pasteur

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